Eva's Hollywood Blog

Zurück zu den Wurzeln – Gedanken aus Deutschland

Genau ein Jahr ist es her, dass ich meine Reise nicht nur in die Vereinigten Staaten, sondern auch zu meiner Karriere als Filmemacher antrat. Nach Los Angeles zu ziehen, um am American Film Institute Conservatory zu studieren, war für mich die Erfüllung eines Traums und ein neues Kapitel in meinem Leben. Nachdem ich von Filmförderungen und Filmhochschulen in Deutschland ein paar Jahre lang nur Ablehnungen erhalten hatte, war ich sehr motiviert, mehr über das Handwerk Regie führen zu lernen und es zu praktizieren. Man kann sich vorstellen, wie glücklich ich war, dass in diesem weit entfernten Land meine Arbeit geschätzt wurde und mir zum ersten Mal die Chance gegeben wurde, mich zu verbessern und zu wachsen.

Das AFI Conservatory war ein Sprung in kalte und unbekannte Gewässer, denn davor hatte ich rein aus Instinkt und Intuition heraus inszeniert. Während meinem ersten Jahr dort begann ich, jede Entscheidung zu überdenken und auch meine Sicht auf die Art, wie ich vorher gearbeitet hatte, änderte sich. Wie einige andere Studenten war ich nach dem ersten Semester sehr verwirrt und meine Filme änderten sich drastisch. Ich verbesserte mich zwar in Hinsicht auf Schauspielführung, Dramaturgie und visuellen Regeln des Geschichtenerzählens. Aber die Konzentration auf diese speziellen Dinge, die ich noch nicht blind beherrschte, ließ mich vergessen, was einen Film zusammenhält und machte es schwierig, eine kontinuierliche Sprache zu finden. Es schien also alles auseinander zu bröckeln in meiner kreativen Arbeit, aber wenn man genau hinsieht, sieht man schon die Keime von etwas neuem und besseren sprießen.

Wenn ich jetzt nach einigen Monaten auf meine Filme zurückblicke, sehe ich langsam Möglichkeiten, wie man sie verbessern kann und die genauen Punkte und Entscheidungen, die nicht funktioniert haben. Erkenntnis ist der wichtigste Schritt beim Lernen und das kommt nun mal erst, wenn man zurück tritt und tief durchatmet. Ich begebe mich gerne auf einen hohen Aussichtspunkt, um diese Art von Ruhe zu finden und über meine Arbeit, mein Leben, meine Ziele und meine Zukunft nachzudenken. Leider ist Lernen ein Prozess, den man weder beschleunigen noch kontrollieren kann. Deswegen ist es so schwierig, zu warten, bis man Dinge verstehen kann. Und es ist unbedingt nötig, stehen zu bleiben und sich umzusehen – ‚Die Klappe halten und zuzuhören‘, was die höchste Tugend eines Regisseurs ist, wie ich am AFI gelernt habe. Seiner Intuition genauso zu folgen, wie seinem Intellekt. Weil keines ohne das andere funktioniert.

Nach meinem lehrreichen und rasanten ersten Jahr am AFI nahm ich mir ein paar Monate, um Luft zu holen und Ruhe zu haben. Ich besuche mein Heimatland, um herauszufinden, wie sich mein Charakter geändert hat, während ich im Ausland gelebt habe; ob ich immer noch die selbe bin oder mich verändert habe und inwiefern. Ich habe gelernt, dass es wichtig ist, ein gefestigtes Weltbild zu haben, wenn man Geschichten erzählen will. Man glaubt es kaum, aber jede Entscheidung eines Filmemachers basiert auf dessen Charakter und Weltbild, weil es keine andere Möglichkeit gibt, etwas zu erzählen, als mit einer Meinung. Es gibt kein ‚Vielleicht‘ oder ‚Keine Ahnung‘ beim Regie führen. Jedes einzelne Bild muss eine Entscheidung sein.

Wenn ich mich in Deutschland mit Freunden und Filmememachern getroffen habe, habe ich beobachtet, wie sie auf mich reagieren, jetzt wo ich wieder hier bin. Es ist erstaunlich, mit wie viel Respekt und Wertschätzung ich behandelt werde. Obwohl ich immer noch Schwierigkeiten habe, in meinen Filmen alles, was ich erzählen will, perfekt zu treffen, bin ich durch meine Erfahrung und mein angelerntes Wissen selbstbewusster geworden. Und das spüren andere. Mein neues Wissen ließ mich auch bescheidener werden in allem, was ich tue. Jeden Film, den ich mir jetzt anschaue, sehe ich von einer anderen Perspektive und mit einem anderen Sinn für Anerkennung.

Über den Dächern Münchens, wo ich auf die lebendige Stadt herunter sehen kann, in der ich aufgewachsen bin, lasse ich das Jahr Revue passieren. Ich bin mir sicher, dass es mich verändert hat. Es ist spannend, meine alten Freunde zu treffen und sie zu inspirieren, sich in ihrem Leben auch etwas Gutes zu tun, in dem sie etwas verändern. Und weil jeder Tag der perfekte Tag ist, etwas Neues anzupacken, habe ich direkt mit meinem ersten Spielfilmdrehbuch angefangen. Ich habe so viele Pläne und Ideen im Kopf, die ich anpacken möchte. Und es gibt in Zukunft noch so viele Chancen, die darauf warten, ergriffen zu werden, wenn ich im September wieder in die Staaten zurückfliege. Ich kann sie schon fast am Horizont schimmern sehen, wo der Himmel die Bayerischen Alpen berührt.

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